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Bericht Christina
Meine Zeit in Afrika
Vor nun gut neun Monaten hat es mich nach Afrika
verschlagen. Es sollte sich als die bisher beste Entscheidung meines Lebens
herausstellen, auch wenn der Weg dorthin nicht gerade einfach war. Ich musste
mich zunächst dazu durchringen mein bisheriges Studium abzubrechen, um am Ende
doch zwei Ziele in meinem Leben zu erreichen und damit verbundene Träume zu
verwirklichen – das richtige Studium und mein Abenteuer in Afrika.
Schon lange hatte ich mit dem Gedanken nach Afrika zu gehen
gerungen, denn genau so ein Praktikum schwebte mir schon seit geraumer Zeit
vor. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt dafür und wer würde mitkommen oder
geht man nicht doch am Ende besser allein, weil man sonst nie geht oder es der
eigenen Persönlichkeit nicht auch viel mehr bringt? Diese und ähnliche Fragen
stellte ich mir immer wieder, doch im September des vergangenen Jahres stand
mein Entschluss schlagartig fest. Noch nie wusste ich so genau, was ich wollte
– nach Afrika gehen, ein Praktikum im sozialen Bereich absolvieren und
definitiv auch endlich Soziale Arbeit studieren! Und so fing ich an, mich ohne
dem Wissen meiner Familie und meiner Freunde im Internet zu informieren, sprach
mit jungen Menschen, die eben solche Praktikumserfahrungen gesammelt haben oder
ähnliche Reisen planten. So bin ich auch auf das kenianische Waisenhaus Saidia
kwa Moyo gestoßen, welches von einem deutschen Ehepaar gegründet wurde. Aus
diesem, aber auch vielen anderen Gründen gehörte es sofort zu meinen absoluten
Favoriten. Die Zustände und Organisation dort schienen wirklich gut zu sein und
Praktikanten sehr willkommen. Irgendwann war es dann so weit, dass ich meine
Familie und Freunde über mein Vorhaben aufklärte. Nicht immer stieß meine
Entscheidung auf Verständnis oder Begeisterung. Einige Menschen in meinem
Umfeld bekamen Angst bei dem Gedanken und taten meiner Meinung nach fast so,
als wollte ich ins Kriegsgebiet ziehen. Aber von anderen war ich natürlich
wiederum teilweise auch sehr positiv überrascht und am Ende haben mich dann
doch auch alle unterstützt und verstanden, worüber ich natürlich sehr froh war.
Im Oktober dann führte ich die ersten Telefonate mit Petra
vom Saidia kwa Moyo, denn zu meinem Glück musste sie vielen Praktikanten
absagen und konnte mich nun doch vor Ort gebrauchen, um das neue Waisenhaus
kindgerecht zu gestalten und die Kinder wieder in Empfang zu nehmen. Sie
erzählte mir sehr lange mit ansteckender Begeisterung vom gesamten Projekt, den
Kindern und den Hintergründen. Ich freute mich bereits auf Kenia, doch leider
hing meine Praktikumszusage von einem Gerichtstermin ab, der immer wieder
verschoben wurde. Aus diesem Grunde scheiterten leider auch unsere Planungen
und mich hat es somit Anfang Februar in einen anderen Teil Afrikas verschlagen
– nach Ghana.
Ich traf meine letzten Vorbereitungen, kündigte meinen
Nebenjob, räumte mein WG-Zimmer, buchte den Flug, holte mir alle nötigen
Impfungen ein und verabschiedete mich schließlich für ein scheinbar sooo langes
halbes Jahr von Familie und Freunden. Und schon saß ich im Flieger auf dem Weg
nach Accra, der Hauptstadt Ghanas. Dass ich natürlich ganz schön nervös war,
das brauche ich an dieser Stelle wohl nicht erwähnen! ;) Man fliegt ja nicht
jeden Tag allein für so lange Zeit nach Afrika... als ob es nicht auch schon
genug wäre überhaupt das erste Mal zu fliegen! :)
Ich flog also aus dem tiefsten und kältesten Winter mitten
in den heißen Sommer Afrikas und wurde natürlich direkt beim Aussteigen von
dieser Wand erschlagen – Temperaturunterschied glatte 50Grad! :) Wer landet
auch schon auf dem „Schwarzen Kontinent“ in langer Jeans und schwarzem längeren
Shirt?!?!?! Erschlagen haben mich aber auch die ganzen Eindrücke:
Alltagsbilder, die vielen Menschen, Gerüche, das Verkehrschaos Accras und das
extrem schlechte und unverständliche Englisch meiner mich in Empfang nehmenden
Waisenhausleiterin. Gott sei Dank hatte sie mir immerhin etwas zu Trinken
besorgt und dass Wasser gut ist bei dieser Hitze, das verstand ich auch ohne
sie zu verstehen! :)
Was mich nun dort erwartete? Diese Frage stellte ich mir
auch! ;) Aber ich hatte ja immerhin schon viel gehört und Bilder gesehen und
war, so dachte ich, gut auf das große Waisenhaus mit über 120 Kindern und
integrierter Schule vorbereitet. Süßigkeiten und verschiedene Kleinigkeiten für
die Kinder hatte ich natürlich auch dabei...
Und da war ich nun! Allein als Weiße mitten in Afrika..
Mein Abenteuer hatte begonnen!
Im Waisenhaus angekommen, sah ich viele Kinder barfuß herum
laufen, Fußball spielen und toben. Eines von ihnen zog eine Blechbüchse an
einer Schnur hinter sich her. Alles war trocken und voller Sand – eben typisch
afrikanische Bilder. Das Waisenhausgrundstück war relativ groß, bestand aus
mehreren Gebäuden, einer fast schon zusammenfallenden Schule und war insgesamt
auch sehr einfach. Es gab nicht genug Betten für alle Kinder, keine Duschen,
kein fließend Wasser, sondern nur einen Brunnen, Plumpsklos und oftmals auch
keinen Strom. Aber das alles störte mich nicht, gehörte es doch irgendwie genau
so dazu.
Mit mir waren noch andere Praktikantinnen da (insgesamt 5 zu
der Zeit), welche aber alle in einem Hostel in der Nachbarschaft wohnten. Einem
der Mädchen sollte ich Schokolade aus Deutschland mitbringen. Sie war bereits
ein halbes Jahr dort und hatte nochmal so viel vor sich, weshalb die Freude
über diese willkommene Abwechslung natürlich riesig war! :)
Nach meiner Ankunft konnte ich mir schließlich überlegen, wo
ich im Waisenhaus mit aushelfen wollte und entschied mich zunächst für die
Kleinkindgruppe und gegen die Schule, musste ich mich doch erst einmal wieder
ans Englisch sprechen gewöhnen. Ich war gerne dort. Die Kinder waren
herzallerliebst, die hygienischen Umstände jedoch durch Krankheiten und
Durchfall (durch das schlechte Trinkwasser bedingt) eine Katastrophe. Auch auf
die Sicherheit und eine kindgerechte Betreuung wurde nicht geachtet. Sie
bekamen kaum Liebe, wurden in den Arm genommen oder konnten sich geborgen
fühlen. Viele von ihnen waren verhaltensauffällig, bissen und schlugen die
anderen Kinder und wiegten sich selbst in den Schlaf oder starrten stundenlang
in eine Richtung oder ließen sich nicht anfassen. Schläge zur Erziehung waren
leider an der Tagesordnung...erst Recht, wenn sie weinten - doch davon weinten
sie noch mehr. Wir Praktikanten versuchten den Kindern das zu geben, was ihnen
so sehr fehlte und was sie so sehr brauchten, kuschelten viel mit den Kleinen
und versuchten die Einstellung der Mamas dort zu ändern – leider vergebens. Wie
sich also schnell herausstellen sollte, stand mir in Ghana eine zwar sehr
spannende, aber auch schwierige Zeit bevor. Oft hatten wir Praktikantinnen
Angst selbst krank werden zu können. Nach einem Besuch des städtischen
Krankenhauses wusste ich auch, wie schlecht es rund um die ärztliche Versorgung
aussah. Was mich wütend machte, war, dass das gesamte Waisenhaus schön für
Kontrollen oder Besucher hergerichtet wurde, alle Kinder frische Kleidung und
Windeln trugen, was sonst zu oft leider nicht der Fall war. Eine heile Welt
wurde vorgespielt während die Sachspenden so gut wie nie bei den Kindern
ankamen sondern im Büro einstaubten. Viele Praktikantinnen, die bei uns in der
Zeit ankamen, ergriffen schnell wieder die Flucht und bei den Organisationen
hagelte es so viele Beschwerden bis unser Waisenhaus auf den Homepages nicht
mehr mit angeboten wurde. Mir war schnell klar, dass ich da keine sechs Monate
bleiben würde – erst Recht nicht, wenn ich dafür Geld bezahlen muss und davon
scheinbar nichts bei den Kindern ankommt. Sie zurück zu lassen und ihnen nicht
helfen zu können, zerriss mir das Herz, doch blieb mir kaum etwas anderes
übrig, wenn für die nächsten 5Monate nicht einmal ein Praktikant kommen würde
und irgendwann hätte es ja ohnehin so weit sein müssen.
In einem Internetcafé hatte ich wieder Kontakt zu Petra nach
Kenia aufgenommen, um sie zu fragen, ob da nicht doch noch etwas möglich wäre
und ich vielleicht zu ihnen kommen könnte. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch
nicht, was sich bei uns noch für ein schreckliches Ereignis zugetragen hatte –
zwei unserer Praktikantinnen wurden auf dem Weg zu einer Geburtstagsparty
überfallen und vergewaltigt. Diese Information hatte uns zwei verbliebenen
Praktikantinnen vollkommen und endgültig aus der Bahn geworfen. Irgendwie war
alles nur noch schlimm, beängstigend und belastend. Unsere Stimmung war im
Keller, wir waren fix und fertig, weinten viel und fragten uns zum ersten Mal,
was wir eigentlich in Afrika machten anstatt unser normales, einfaches und
langweiliges Leben in Deutschland zu leben – so wie es jeder andere „normale“ Mensch
auch tut...
Ich war heilfroh als mir Petra schrieb, dass ich im Saidia
kwa Moyo jederzeit herzlich willkommen sei.
Mit der Ausrede, ich müsste wieder zurück nach Deutschland,
verabschiedete ich mich von Waisenhausleiterin, Mitarbeitern und schweren Herzens
auch von den Kindern und der letzten tapferen Praktikantin und ließ mich zum
Flughafen fahren. Ich hatte einen langen Flug vor mir, doch den nahm ich gern
in Kauf, fiel doch jede Anspannung von mir ab. Auf meinem letzten Flug von
Nairobi nach Mombasa konnte ich schon die typischen Bäume und die rote Erde
Kenias sehen. Ich war überglücklich und befand mich nun endlich in dem Afrika
meiner Träume.
Helmut, Petra und der Praktikant David (Kaka) holten mich
vom Flughafen ab und begrüßten mich sehr herzlich. Ich fühlte mich sofort wohl
und geborgen. Die Natur und Kilifi verschlugen mir regelrecht den Atem. Es war
einfach alles traumhaft schön und so kämpfte ich die ganze Fahrt über gegen die
Müdigkeit, um nichts zu verpassen.
Nach einem Abstecher in Mombasa kamen wir auch irgendwann im
Waisenhaus an, wo mich Petra den Mamas vorstellte und herum führte. Mir standen
die Tränen in den Augen, lagen doch Welten zwischen beiden Waisenhäusern. Im
Saidia kwa Moyo steckte so viel Liebe zum Detail, so viele Kleinigkeiten,
Bilder und Farbe, die es zu einem einzigartig schönen und kindgerechten Zuhause
für die kleinen Kenianer machten. Ich war vollkommen überwältigt und
gleichzeitig traurig, wenn ich an meine ghanaischen Kinder dachte.
Zum Mittag kamen dann alle Kinder in ihren Schuluniformen
nach Hause und begrüßten mich freundlich, zum Teil sogar auf Deutsch. Natürlich
konnte ich mir keinen Namen zu den Gesichtern merken und im Grunde sahen sie
auch alle gleich aus und das sollte auch noch eine Weile so bleiben. Leider
habe ich an meinem ersten Tag im neuen Waisenhaus auch nicht lange
durchgehalten, steckten mir Flug, Stress und Schlafmangel noch sehr in den
Knochen. Bis zu diesem Tag hatte ich schließlich keine einzige Nacht durch
geschlafen, war es doch in Ghana Ritual nachts alle Kinder zu wecken, zu
singen, zu klatschen und zu beten und dazu schön den ganzen Hof zusammen zu
läuten und zu rufen...da steigen Aggressionen auf! ;)
Nach ein paar Tagen mussten wir unseren Besuch Brigitte und
vorerst auch David verabschieden, der sich auf den Weg nach Indien machte, um
dadurch sein Kenia-Visum verlängern zu können. Dafür kam dann bald der Manu
dazu und so arbeiteten wir zwei Praktikanten uns Schritt für Schritt ein und
fanden uns langsam im Alltag zurecht. Um die Kinder zu erkennen, halfen wir uns
gegenseitig mit Eselsbrücken und gingen die markanten Merkmale durch – Baraka
ist der kleine Anhängliche, Bahati und Jimmi sind die mit den kleinen Narben,
Tuma die mit der tiefen Stimme, Amani der ganz schmale, Santa die beste Sängerin usw.
Gleich zu Beginn unserer Praktikumszeit machten wir auch
schon zusammen mit Jana, welche zu der Zeit ihr Patenkind Rose besuchte, unsere
wunderschöne Safari. Spätestens da wurden wir uns darüber bewusst wirklich in Afrika zu sein.
Es war sehr faszinierend und ich glaube keiner von uns wird je vergessen, was
wir dort in der kurzen Zeit alles erlebt haben. Bis auf einen Löwen mit Mähne
haben wir auch wirklich alles gesehen, was es an Population im Tsavo East zu
entdecken gilt.
Auch hatten wir bereits den Mnarani-Club und die Umgebung
mit verschiedenen Internaten erkundet und konnten uns so ein Bild von den
verschiedensten Seiten Kenias machen.
Mit den Kindern haben wir viel gespielt und mittlerweile
hatten wir auch ganz gut Zugang zu ihnen gefunden. Wir merkten sehr, dass sie
sich nun immer mehr öffneten und auch gerne etwas mit uns unternahmen. Sie
waren für viele Scherze, aber auch ernsthafte Gespräche über Gott und die Welt
zu haben – beim letzteren war übrigens Vorsicht angesagt. Schnell arteten
solche Gespräche in stundenlangen Diskussionen aus. :)
Leider verging die Zeit zu schnell, so dass auch Jana uns
schon verlassen musste, wofür dann aber David wieder kam und so waren wir von
da an drei Praktikanten. Die Kinder haben sich darüber sehr gefreut, hatten sie
so jemanden zum Fußball, Volleyball und Gesellschaftsspiele spielen, zum Basteln und Zeichnen. Für jeden Geschmack war
also etwas dabei. Auch Angeln, Strandnachmittage und lange Spaziergänge waren
bei der Tagesgestaltung hoch im Kurs. Oft holten wir mit den jüngeren Kindern
die älteren von der Schule ab. Besonders über Flori haben sich dort alle
gefreut und jeder musste ihn mal auf den Arm nehmen oder ein Stück nach Hause
tragen. In Erinnerung wird mir auch immer der Spaziergang nach dem großen Regen
bleiben, bei dem wir oft durch große Pfützen laufen mussten, um unser Ziel zu
erreichen und natürlich – wie sollte es anders sein – fiel an diesem Tag auch
einer unserer kleinen Jungen in eine davon, was für viel Gelächter sorgte. Auch
haben wir einmal einen besonders schönen Spaziergang am Chambai-Strand Richtung
Baobab-Beach bei Ebbe gemacht, wo wir richtig weit laufen und Muscheln und
Seeigel suchen konnten. Auch wenn wir schwimmen waren, hatten wir immer viel
Spaß. Begehrt waren derartige Ausflüge besonders dann, wenn etwas mehr
Wellengang vorhanden war und somit auch die Großen mit ins Wasser kamen und
ausgelassen mit herum tobten. Unsere akrobatischen Jungen genossen es dagegen
auch immer sehr, den Sportlern am Strand nach zu eifern und machten ihre Saltos
nach, wo sie am Ende im weißen Pudersand landeten oder so richtige
Sandgestalten aus sich machten indem sie sich so lange in diesem wälzten bis
sie uns Praktikanten ganz ähnlich sahen – nämlich vollkommen weiß.
Solche Ideen waren nur dann etwas ungünstig, wenn schon eine
Horde Besucher im Waisenhaus auf unsere Ankunft wartete, um unsere Kinder
kennenzulernen und kleine Spenden zu übergeben. :)
Ja, man kann ohne Frage sagen, dass ich viel in meiner Zeit
in Kenia erlebt habe. Es war die Zeit der Fußball-WM, bei der wir wohl kaum ein
Spiel verpasst haben. Auch die Kiddis waren, wenn die Möglichkeit bestand,
dabei. Sie fieberten mit uns für Deutschland, sprangen auf, schrien und
jubelten bei jedem Tor und fluchten bei jedem Gegentor. Besonders lustig war
unser einer Stromausfall kurz vor Ende eines Spieles. Wir zitierten schon alle
raus, um sich die Schuhe anzuziehen und für den Rückweg zum Waisenhaus
startklar zu machen. Plötzlich ging nach wenigen Sekunden der Fernseher wieder
an und alle stürmten zurück ins Haus und saßen schneller wieder an ihren
Plätzen als wir gucken konnten. Wenn das mal immer so schnell gehen würde ;)
Auch Ostern habe ich im Saidia kwa Moyo verbracht. Entgegen
aller Planungen färbten Sabine und ich die Eier und machten für alle Kinder
kleine Osterkörbchen fertig, welche wir natürlich auch versteckten. Als die
Meute von der Kirche zurück kam, war die Aufregung riesengroß – genau wie das
Strahlen in ihren Gesichtern. Es wurde ein regelrechter Wettkampf daraus, wer
sein mit seinem Namen versehenes Körbchen am schnellsten entdeckte – und
scheinbar auch, wer den Inhalt am schnellsten verputzen konnte. Ein Osterfeuer
durfte ganz spontan dann auch nicht fehlen. Die Kinder sangen wiedermal sehr
schön und tanzten zu Trommelrhythmen von Mama Riziki ums Feuer. Es war ein
wunderschöner Abend, um auch etwas die traditionellen Tänze und die kenianische
Kultur kennenzulernen.
Während meiner Zeit im Waisenhaus gab es natürlich auch
viele andere Feiern.
Immer wieder besonders schön und rührend waren die vielen
Geburtstage, aber auch Verabschiedungen, auch wenn dort natürlich viel Wehmut
mit schwang. Aber genau wie an den wunderschönen Abenden nach dem Essen wurde
auch zu diesen besonderen Anlässen viel gesungen, getanzt und gelacht. Das ganze
Geburtstagsritual ist für die Kinder einfach nur schön. Viele von ihnen fragen
schon Monate vorher, wann sie endlich Geburtstag hätten und an der Reihe wären.
Unvergesslich bleibt da für mich auch, wie klein Flori fast auf seinen eigenen
Geburtstagskuchen gepullert hätte – bloß gut, dass wir dieses drohende Unheil
noch knapp durch guter Beobachtungsgabe abwenden konnten! :D
Aber stolz waren da alle Kinder, wenn sie einmal im
Mittelpunkt standen, ihnen die ganze Aufmerksamkeit galt und sie das eine oder
andere kleine Geschenk bekamen. Die Idee für jeden Abschnitt der Zeremonie ein
bestimmtes Lied zu singen, was vom Bringen, Anschneiden und Verteilen des
Kuchens und schließlich auch vom Auspacken der Geschenke und der Vorführung
dieser handelte, fand ich besonders schön. Schade, dass es so etwas nicht auch
in Deutschland gibt. Oder weiß ich davon nur nichts? :)
Leider gehörten zu der Zeit in Kenia natürlich auch so
einige Abschiede dazu. Auch für meine beiden Jungs, David und Manu, war die
Zeit irgendwann vorbei, ist sie doch wie im Flug vergangen. Ehe ich mich
versah, haben sie mich einfach allein zurück gelassen. Doch bevor David wieder
Richtung Heimat musste, waren wir noch in Bamba unterwegs, um die
Lebensmittelspenden aus der von uns ins Leben gerufenen Spendenaktion zu
überreichen. Dieser Tag hat uns beide sehr bewegt, mit Sicherheit auch geprägt
und wird uns wohl immer in Erinnerung bleiben. Noch nie waren wir mit so viel
Armut konfrontiert und hatten mit ansehen müssen, wie Menschen ohne Essen, Kleidung
und vernünftigem Schlafplatz fast schon dahinvegetieren müssen. Solche Dinge zu
wissen, ist wirklich nochmal etwas anderes als es mit eigenen Augen zu sehen,
unter ihnen zu sein, es zu erleben, zu begreifen, zu spüren. Es hat uns die
Fassung und Sprache genommen. Wir waren zutiefst berührt und auch
schockiert...was auf dieser Welt alles so möglich ist...
Danach fing für mich nochmal ein neuer, wenn auch kurzer
Abschnitt in Kenia an. Helmut und Petra flogen mal wieder nach langer Zeit nach
Deutschland und so übernahm ich mehr Aufgaben, Verantwortung und war von daher
auch nochmal mehr eingebunden, was mich aber auch sehr freute, denn es hatte ja
auch ein Stück weit mit Vertrauen zu tun, welches mir so entgegen gebracht
wurde. Auch Sabine und Anja, die zwei neuen Praktikantinnen, sind in der Zeit
gekommen. Wir haben zusammen wieder viel mit den Kindern unternommen, waren oft
spazieren und haben ausgiebig das Baobab-Hüpfe-Geschicklichkeitsspiel gespielt,
von dem ich mir auch die Regeln für Deutschland aufgeschrieben habe. Ein
bisschen Bewegung kann ja schließlich auch in der Heimat nicht schaden ;) Wir
haben oft mit den Kindern gezeichnet oder Karten gespielt, denn leider war ja
nun schon die ganze Zeit Regenperiode in Kenia und es hat wirklich viel geregnet...sehhhhhhhhhhhhhhr
viiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiieeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeel...
Leider hat diese Tatsache auch oft unsere Möglichkeiten
eingeschränkt, aber es gab ja auch so genug zu tun und bei gutem Wetter haben
die Kinder dann auch Tischtennis für sich entdeckt. In den Ferien standen auch
oft Zweifelderball und Murmelspiele auf dem Programm, wo selbst unser Manager
David mit von der Partie war.:) Wir mussten immer wieder feststellen und
staunen, wie wahnsinnig geschickt, wendig und einfach nur sportlich unsere
Kinder im Vergleich zu denen in Deutschland waren. Diese Art von Bewegung
bringt eben doch mehr als die vor der Wii-Konsole ;)
Als die Zeit in Kenia gerade nochmal am schönsten wurde und
wir Praktikantinnen viel mit ein paar Mitarbeitern etwas unternommen haben und
tanzen waren oder Spieleabende machten, kamen dann auch schon meine Mutter,
Schwester und ihr Freund zu Besuch. Natürlich hatte ich mich darüber sehr
gefreut, wollte ich ihnen doch viel zeigen und viel mit ihnen unternehmen. So
waren noch verschiedene Aktivitäten und Ausflüge geplant. Es waren diese
Kleinigkeiten, wie z.B. die Segel-/Schnorcheltour, welche meinen Aufenthalt in
Kenia noch abrundeten, doch machte sich schon die Wehmut bei mir breit. Bald
schon, meiner Meinung nach viel zu bald, stand mir mein Abschied bevor. Sechs
Monate Afrika sollten nun schon ein Ende finden - unglaublich! Ich konnte es
kaum fassen. Schon bei dem Gedanken daran wurde mir ganz schwer ums Herz und
als der Abend dann schließlich gekommen war, konnte ich auch nicht mehr meine
Dankesrede halten. Ich war im gleichen Maße gerührt wie traurig, dass ich nur
noch wie ein Schlosshund geheult habe. Danke an Helmut, der dies auch noch
filmen musste! ;)
Die Kinder haben sich wahnsinnig viel Mühe gegeben und mir
ein Abschiedslied geschrieben und vorgesungen. Wie ich erfahren habe, habe ich
es ihnen nicht gerade leicht gemacht, wollte ich doch so viel Zeit wie möglich
im Waisenhaus verbringen :D Aber irgendwie haben sie es doch geschafft und ich
habe nicht einmal etwas davon gemerkt :) Es war ein unglaublich schönes
Abschiedsgeschenk!
Dies und all meine Erlebnisse im Saidia kwa Moyo und
generell in Afrika werde ich nie vergessen! Ich bin unglaublich froh und
dankbar diese Chance gehabt zu haben und diesen Weg gegangen zu sein! Ihr
werdet immer in meinem Herzen bleiben und so hoffe und weiß ich, dass sich
unsere Wege irgendwann wieder kreuzen werden!
Asante sana, Papa Muti und Mama Petra!
Asante sana, Saidia kwa Moyo!
Asante sana, Afrika!
Eure Praktikantin Christina
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